Ich saß im Büro, öffnete Spotify und wählte eine meiner Playlists aus. Dann ging ich auf Connect. Die Soundbar war nicht auf der Liste. Ich musste nicht lange überlegen, was passiert war.
Sie hatte wieder das WLAN-Passwort vergessen.
Meine Sony HT-CT790 steht seit Jahren unter dem Fernseher. Sie klingt noch immer gut, fällt kaum auf und tut meistens genau das, wofür ich sie gekauft habe. Nur manchmal vergisst sie, wie sie ins Internet kommt. Das Passwort bleibt dasselbe. Der Router bleibt derselbe.
Die Soundbar entscheidet trotzdem gelegentlich, dass beide sich noch einmal kennenlernen sollten. Beim ersten Mal sucht man nach einer einfachen Lösung. Beim zweiten Mal erinnert man sich dunkel an die Anleitung. Später kennt man das Verfahren.
Der Anfang des Verfahrens
Ich schalte die Soundbar ein. Auf dem schmalen Display wandert PLEASE WAIT vorbei, als würde sie sich irgendwo anmelden. Das dauert erstaunlich lange, selbst wenn ich nur Bluetooth starten und etwas hören möchte. Meistens will ich ohnehin über WLAN hören. Vielleicht prüft sie in diesen Sekunden gerade, ob sie das Passwort noch kennt.
Manchmal lautet die Antwort offenbar nein. Dann ziehe ich das HDMI-Kabel vom Apple TV ab, das direkt unter dem Fernseher liegt. Für die Soundbar leihe ich mir nur kurz sein Kabel.
Das Kabel steckt dort sonst nicht. Es reicht auch nicht, irgendeinen Anschluss zu nehmen und darauf zu hoffen, dass etwas erscheint. Die Soundbar besitzt zwar ein eigenes Display, doch darauf erscheinen nur kurze Hinweise.
Für die Netzwerkeinstellungen muss ihr Menü auf dem Fernseher sichtbar sein. Erst wenn die HDMI-Verbindung steht, ich am Fernseher den richtigen Eingang gewählt und HOME gedrückt habe, kann ich die drahtlose Verbindung noch einmal einrichten. Ohne Fernseher kann ich HOME drücken, so oft ich will. Es passiert nichts, das mir helfen würde.
Ach, dafür ist das Rad da
Nach einigen Menüs schlägt die Soundbar selbst die schnelle Netzwerkeinrichtung vor. Dann fragt sie nach der Art der Verbindung. Ein Netzwerkkabel wäre vermutlich zuverlässiger. Nur müsste dieses Kabel bis zur Soundbar reichen. Außerdem habe ich das Gerät gerade deshalb gekauft, weil es Musik drahtlos abspielen kann. Also wähle ich wieder WLAN, und auf dem Fernseher erscheint eine Tastatur.
In diesem Moment versteht man plötzlich die Fernbedienung. Dafür ist also dieses große Rad da. Dafür gibt es die Pfeiltasten. Dafür liegen unten vier farbige Tasten.
Mit Blau schalte ich auf Großbuchstaben um. Rot zeigt das eingegebene Passwort an, was spätestens beim zweiten Fehlversuch hilfreich wird. Grün löscht, was ich gerade geschrieben habe. Was Gelb macht, weiß ich bis heute nicht.
Das Passwort wird Buchstabe für Buchstabe eingegeben. Mit einem Rad auf einer Fernbedienung. Auf einer Bildschirmtastatur, die nur erscheint, nachdem ein HDMI-Kabel aus einem anderen Gerät gezogen und an die Soundbar angeschlossen wurde. Das ist nicht schwer. Es dauert nur viel länger, als ein gleich gebliebenes Passwort eigentlich dauern sollte.
Die Taste für MIRRORING
Auf derselben Fernbedienung gibt es eine eigene Taste mit der Aufschrift MIRRORING. Damit soll sich der Bildschirm eines Smartphones über die Soundbar auf dem Fernseher anzeigen lassen. Ich habe es nie zum Laufen gebracht.
Bei jeder neuen WLAN-Einrichtung sehe ich diese Taste wieder und denke kurz, dass jetzt vielleicht der richtige Moment gekommen ist. Der Fernseher ist an, das HDMI-Kabel steckt, die Fernbedienung liegt in meiner Hand. Mehr Vorbereitung wird diese Funktion von mir kaum bekommen. Trotzdem passiert nichts, das ich als erfolgreiches Mirroring erkennen würde. Das stört mich nicht besonders. Ich habe die Soundbar nicht gekauft, um den Bildschirm meines Smartphones auf dem Fernseher zu sehen, sondern für den Klang und dafür, Musik über WLAN abzuspielen.
Das Kabel könnte einfach stecken bleiben
Natürlich könnte ich mir einen Teil des Verfahrens ersparen. Das HDMI-Kabel könnte dauerhaft zwischen Fernseher und Soundbar bleiben. Ich habe das ausprobiert.
Dann übernimmt die Soundbar beim Starten der Musik den Fernseher. Die Bilder und Tapeten, die dort gerade angezeigt werden, verschwinden. Stattdessen erscheint der eigene Player der Soundbar. Er ist groß und nicht besonders schön.
Ich möchte aber häufig nur Musik hören. Der Fernseher muss nicht jedes Mal sichtbar bestätigen, dass gerade Musik läuft. Deshalb ziehe ich das HDMI-Kabel wieder ab. Damit löse ich das eine Problem und bereite das nächste vor: Der hässliche Player bleibt unsichtbar, aber beim nächsten vergessenen WLAN-Passwort muss ich mir wieder das HDMI-Kabel vom Apple TV leihen.
Die Lösung funktioniert. Deshalb benutze ich sie nicht.
Warum ich nicht einfach Bluetooth nehme
Die Soundbar besitzt Bluetooth. Ich könnte mir das alles also sparen. Nur klingt die Musik über WLAN für mich deutlich besser. Außerdem verhält sie sich dort so, wie ich es mag. Ich öffne Spotify, wähle die Soundbar aus und die Musik läuft über die Anlage.
Wenn ich aus Langeweile Instagram öffne, das inzwischen kaum noch ohne Videos auskommt, landen deren Geräusche nicht plötzlich in den Lautsprechern. Eine Nachricht drängt sich nicht zwischen zwei Stücke. Ein Anruf lässt die Musik nicht auf dieselbe Weise verstummen wie bei einer gewöhnlichen Bluetooth-Verbindung. So wollte ich es von Anfang an haben. Wenn die Verbindung funktioniert und das Passwort noch dort liegt, wo es hingehört, ist das wahrscheinlich meine Lieblingsfunktion des ganzen Geräts.
Fünfzehn Minuten im Laden
Hätte ich die Soundbar vor dem Kauf vollständig ausprobieren können, hätte ich sie wahrscheinlich nicht gekauft. Dafür hätte im Laden allerdings alles bereitstehen müssen: ein Fernseher, mehrere HDMI-Kabel, Zugriff auf das Einstellungsmenü und ungefähr fünfzehn bis zwanzig Minuten Geduld. Ich hätte eine WLAN-Verbindung einrichten, das Passwort mit dem Rad eingeben und danach beobachten müssen, was beim Starten der Musik auf dem Fernseher passiert.
So testet man eine Soundbar normalerweise nicht. Man hört sich an, wie sie klingt. Vielleicht verbindet man kurz ein Smartphone. Man betrachtet die Anschlüsse und liest auf einem Schild etwas von WLAN, Google Cast, mehreren HDMI-Eingängen und Screen Mirroring.
Für Trip-Hop, Ambient, Nu-Jazz und Hip-Hop lässt sich der Klang gut anpassen. Auch bei Filmen macht das System noch immer Spaß. Akustisch ist die Soundbar nicht plötzlich schlecht geworden. Wenn sie funktionieren würde, ohne regelmäßig ihre eigenen Einstellungen zu verlieren, hätte ich wenig Grund, über einen Ersatz nachzudenken.
Meine Soundbar möchte nicht nur Musik spielen. Sie möchte mit dem Fernseher verbunden sein, ein eigenes Menü zeigen, Quellen verwalten, Bilder spiegeln, Updates suchen und beim Abspielen eine Oberfläche präsentieren.
Ich möchte meistens nur eine Playlist hören.
Der Moment danach
Wenn das Passwort endlich eingegeben ist, verlasse ich das Menü und ziehe das HDMI-Kabel wieder ab. Das Apple TV bekommt seinen Anschluss zurück. Der Fernseher darf wieder zeigen, was er vorher gezeigt hat. Dann öffne ich Spotify.
Diesmal erscheint die Soundbar auf der Liste. Ich wähle sie aus, und wenige Sekunden später beginnt die Musik. Die schwarze Leiste liegt fast unsichtbar unter dem Fernseher. Der Subwoofer verbindet sich drahtlos von einem Ort aus, an den ich sonst nur komme, wenn ich in dieser Ecke Pflanzen umtopfe.
Meistens freue ich mich zuerst darüber, dass alles wieder funktioniert. Kurz danach erinnere ich mich daran, warum ich dieses Gerät einmal haben wollte: Es klingt gut. Nach jedem unnötigen Verfahren tut es noch einmal genau das, was ich an ihm mochte.
Ich glaube, dass es Zeit wird, die Soundbar zu ersetzen. Nicht weil ihr Klang schlechter geworden ist. Der ist geblieben. Meine Geduld mit ihrem Gedächtnis dagegen nicht. Noch liegt sie unter dem Fernseher und fällt kaum auf.
Und solange sie das Passwort weiß, spielt sie weiter.