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Warum Updates nie harmlos klingen

Über die Angst vor Aktualisierungen und über Dinge, die einfach funktionierten.

Die Frage nach dem Hochfahren

Ein Windows-Update war für mich nie einfach ein Update. Es war eine Frage: Fährt der Rechner danach noch hoch? Funktionieren der Ton und die Treiber noch? Öffnet sich das Programm, das gestern noch ohne Diskussion seine Arbeit gemacht hat? Oder erscheint dieser blaue Bildschirm, der schon mehr als einen Morgen, Nachmittag und Abend gefressen hat?

Wer oft genug Windows neu installiert hat, entwickelt eine besondere Form der Vorsicht. Man klickt nicht einfach. Man prüft vorher, ob alles gespeichert ist, überlegt, ob heute wirklich ein guter Tag für Veränderung ist, und schaut auf die Uhr. Wenn alles funktioniert, wird jede Verbesserung verdächtig.

Eine Aktualisierung kann fünf Minuten dauern, im schlechtesten Fall aber auch den Rest des Tages. Das Absurde an Windows Update ist dabei nicht, dass es etwas verändert, sondern der Ton. Es klingt, als würde sich jemand kümmern, als käme eine kleine Verbesserung vorbei, freundlich, vernünftig und selbstverständlich.

Ich hörte trotzdem immer nur das Geräusch eines Würfels, der über den Tisch rollt.

Der Rechner neben dem Schreibtisch

Neben meinem Schreibtisch steht ein Lenovo G700, ein 17,3-Zoll-Laptop aus einer Zeit, in der Laptops noch so aussehen durften, als wollten sie ernst genommen werden. Er steht nicht direkt auf dem Boden, sondern auf einem klassischen Taschentuchhalter von Ikea. Der hat irgendwann eine zweite Karriere als Laptopständer begonnen.

Wenn ich den Rechner einschalten will, muss ich mich hinunterbeugen, den Deckel öffnen und den Knopf drücken. Anschließend schließe ich ihn wieder vorsichtig und lege ihn zurück. Die Batterie habe ich längst herausgenommen, weil sie nicht mehr funktioniert. Der Laptop hängt dauerhaft am Strom, wie ein medizinisches Gerät, dessen Zustand stabil ist, solange niemand etwas verändert.

Mit meinem Studio Display versteht er sich nicht, deshalb ist er an den zweiten Monitor angeschlossen. Natürlich nicht an den Eingang, den ich normalerweise benutze, sondern an HDMI 2. Auch das Kabel liegt längst bereit. Bei diesem Computer beginnt jede Benutzung mit einer kleinen Umbauarbeit.

Gerät Nummer drei

Bevor ich den Rechner benutzen kann, muss die Tastatur, auf der ich normalerweise schreibe, zur Seite. Dafür hole ich die Logitech-Tastatur hervor. An der Maus wähle ich das dritte verbundene Gerät. Nummer eins und zwei gehören zur Gegenwart, Nummer drei zu diesem Laptop.

Dann stelle ich den Monitor auf HDMI 2 und warte. Der Rechner braucht Zeit, viel Zeit. Während er hochfährt, kann man etwas zu trinken holen, in die Küche gehen oder noch eine letzte Mail beantworten. Man muss sich nicht beeilen, Windows würde es auch nicht tun.

Irgendwann erscheint der Desktop, und erst dann beginnt der eigentliche Grund für diese ganze Vorbereitung. Bis dahin ist das Arbeitszimmer bereits auf einen anderen Computer umgestellt. Tastatur, Maus und Monitor wissen nun, in welchem Jahrzehnt sie gebraucht werden. Ich muss nur noch warten, bis der Rechner selbst dort ankommt.

Das beste Produkt von Microsoft

Auf diesem Laptop liegt Age of Empires II. Ich besitze auch die anderen Teile, aber der zweite ist für mich bis heute der wichtigste. Für mich ist es sogar das beste Produkt, das Microsoft je auf einen meiner Rechner gebracht hat. Zumindest ist es das einzige, für das ich zwölf Jahre alte Hardware am Leben halte.

Ich kenne das Spiel, die Einheiten, die Gebäude und die Geräusche. Ich kenne auch die kleinen Katastrophen, die entstehen, wenn man sich fünf Minuten zu lange um die falsche Seite der Karte kümmert. Trotzdem spiele ich es gern. Oder genauer: Ich würde es gern wieder spielen.

Das letzte Mal ist wahrscheinlich vier oder fünf Jahre her, so genau weiß ich es nicht mehr. Der Laptop steht also nicht neben meinem Schreibtisch, weil ich ihn ständig brauche. Er steht dort, weil ich die Möglichkeit behalten möchte. Denn wenn ich Age of Empires II starte, bin ich für ein paar Stunden nicht mehr zu gebrauchen.

Das Spiel kann geduldig warten, und der Rechner muss das ebenfalls. Es reicht mir zu wissen, dass beides noch da ist. Diese Möglichkeit beansprucht nicht viel Platz, nur einen Taschentuchhalter von Ikea und etwas Vorsicht.

Eine einzige Aufgabe

Dieser Laptop muss nicht schneller werden. Er braucht keine neue Oberfläche, keine bessere Verbindung zu irgendwelchen Diensten und keine Funktionen, von denen bei seiner Herstellung noch niemand wusste, dass wir sie eines Tages dringend ablehnen müssen. Er soll kein moderner Computer sein. Er soll genau der Computer bleiben, auf dem Age of Empires II funktioniert.

Dieser Rechner hat nur eine Aufgabe: sich nicht zu verändern. Die meisten Aktualisierungen sind deshalb ausgeschaltet, und wenn doch irgendwo etwas auftaucht, werde ich vorsichtig. Eigentlich drücke ich nur einen Knopf.

Innerlich trage ich dabei trotzdem ein rohes Ei durch ein Treppenhaus.

Der Laptop selbst ist mir nicht besonders wichtig. Seine Tastatur stammt sichtbar aus einer anderen Epoche, die Mattscheibe auch. Er ist groß, langsam und ohne Stromkabel praktisch nur ein sehr schwerer Ordner. Aber er funktioniert, und dieses Wort wird mit jedem Jahr wertvoller.

Der Weg zurück

Früher war ein kaputtes Windows vor allem lästig. Man legte eine CD ein, startete den Rechner neu und verbrachte einige Stunden damit, alles wieder aufzubauen. Es war kein schöner Abend, aber der Weg zurück war bekannt. Heute wäre schon der Anfang dieser Rettungsaktion ein Problem.

Das interne CD-Laufwerk funktioniert nicht mehr. Ich habe zwar noch ein externes, aber manche alten Datenträger lassen sich nur widerwillig lesen. Bei anderen weiß ich nicht, ob sie überhaupt noch durchhalten würden. Danach müsste ich mich daran erinnern, wo man im BIOS einstellt, dass der Rechner von einem externen Laufwerk startet.

Ich müsste herausfinden, welche Programme noch vorhanden sind, welche Treiber fehlen und wo die Dateien liegen, die damals selbstverständlich auf irgendeiner CD waren. Jede neue Installation wäre heute schwieriger als die vorherige, nicht weil Windows komplizierter geworden ist, sondern weil die Welt um diesen Rechner langsam verschwunden ist. Die Reparatur wäre inzwischen keine Installation mehr, sondern Archäologie.

Was in ihm steckt

Wenn der Lenovo morgen nicht mehr starten würde, wäre ich traurig, aber nicht wegen des Lenovo. Ich würde keine Rede auf seine Tastatur halten und auch die Mattscheibe nicht vermissen. Sein Tod wäre sogar eine gute Begründung, endlich herauszufinden, wie man Age of Empires II im Jahr 2026 auf einem neuen Rechner spielt. Dort würde alles besser aussehen und in wenigen Sekunden starten.

Aber auf dem alten Laptop liegen auch meine Dateien, und das ist der Teil, den man gern vergisst. Ein alter Computer enthält nicht nur Dokumente und Bilder. Er enthält auch die Programme, die sie öffnen können, die Einstellungen und die richtigen Versionen. Dazu kommen die kleinen Verbindungen zwischen Dingen, die irgendwann einmal zusammen funktioniert haben.

Der Laptop ist deshalb kein wertvoller Gegenstand, sondern eine Zeitkapsel, um die sich niemand richtig kümmert, weil sie digital ist. Man sieht ihr nicht an, wie abhängig ihr Inhalt von alten Programmen, Anschlüssen und Geräten geworden ist. Solange der Rechner startet, sieht alles sicher aus.

Digitale Jahre

Zwölf Jahre sind für einen Tisch kein außergewöhnliches Alter. Für einen Laptop gehören sie zu einer anderen Zeitrechnung. Ein Jahr digitalen Fortschritts kann ausreichen, damit ein Anschluss nicht mehr passt, ein Programm nicht mehr unterstützt wird oder ein Gerät plötzlich als alt gilt. Dabei tut es heute noch genau dasselbe wie gestern.

Ich habe im Laufe der Jahre Telefone verloren, Festplatten sind kaputtgegangen, und Daten lagen auf Geräten, die irgendwann nicht mehr starteten. Manchmal fehlte das passende Kabel, manchmal das Programm. Manchmal war der neue Rechner zu neu für das, was der alte hinterlassen hatte. Die Dateien waren noch irgendwo vorhanden, aber der Weg zu ihnen war verschwunden.

Wir produzieren heute mehr Bilder, Texte und Dateien als jede Generation vor uns. Trotzdem ist nicht sicher, ob davon besonders viel übrig bleibt. Eine Schublade mit Briefen kann man nach fünfzig Jahren öffnen. Bei einer Festplatte reicht manchmal ein leises Klicken.

Physische Dinge zeigen, dass sie altern. Papier wird gelb, Kunststoff wird spröde und Metall bekommt Flecken. Eine Datei sieht nach fünfzehn Jahren noch genauso aus wie am ersten Tag, bis sie sich nicht mehr öffnen lässt.

Digitale Dinge sehen nicht alt aus, sie verschwinden einfach.

HDMI 2

Ich plane deshalb, noch einmal ein Backup zu machen. Nicht später im philosophischen Sinn, sondern wirklich bald. Solange der Rechner noch startet, die Festplatte noch dreht und ich noch weiß, was dort liegt. Mehr Schutz gibt es wahrscheinlich nicht.

Beim nächsten Mal werde ich mich wieder neben den Schreibtisch beugen, den Deckel öffnen und den Knopf drücken. Danach kommen die andere Tastatur, die Maus auf Nummer drei und der Monitor auf HDMI 2. Während Windows langsam hochfährt, gehe ich in die Küche und hole etwas zu trinken.

Diesmal lege ich vorher noch eine Festplatte daneben.

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