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Der Schlüsselbund als Biografie

Welchen Schlüsselbund nehme ich heute mit?

Beide liegen auf einer kleinen Kommode im Arbeitszimmer, gleich neben dem Eingang. Einer steckt meistens noch in der Tür. Wenn ich spazieren gehe, tausche ich ihn gegen den leichteren aus.

Der schwere Bund enthält alles: den Schlüssel für den Briefkasten, den großen für das zweite Schloss und die anderen, die man nicht jeden Tag braucht, aber irgendwann brauchen könnte. Am leichten hängt nur das Nötigste. Für einen Spaziergang reicht ein Schloss. Ich will einfach weniger Metall in der Tasche haben.

Eigentlich sehen sich die beiden erstaunlich ähnlich. An jedem hängen ein Schlüsselband, ein kleiner Karabiner und ein Lederetui, das einmal für einen AirTag gedacht war. Bei mir steckt darin kein AirTag, sondern der Chip, mit dem sich die Tür berührungslos öffnen lässt. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, kommt an den Karabiner noch der Schlüssel für das Schloss.

Der leichtere Bund trägt weniger Schlüssel, aber mehr Ringe.

Was fehlt, bleibt hängen

An den freien Ringen hingen früher der Briefkastenschlüssel und der große Schlüssel für das zweite Türschloss. Die Schlüssel sind nicht verschwunden. Ich habe sie nur an den anderen Bund gehängt, weil ich sie beim Spaziergang nicht brauche. Die Ringe blieben am leichteren.

Man könnte sie in wenigen Sekunden abnehmen. Einen Fingernagel zwischen die beiden Metallenden schieben, den Ring aufdrehen und langsam über das Schlüsselband führen.

Ich mache es trotzdem nicht.

Nicht, weil ich vergessen hätte, was dort hing. Ich weiß es noch. Ich möchte nur nicht alles davon erklären.

Ein Ring hält noch immer einen Platz frei für etwas, das er längst nicht mehr hält. Ein zusätzlicher Schlüssel würde stören. Ein leerer Ring fällt kaum auf.

Die Schublade

In einer Schublade bewahre ich weitere Ringe auf. Manche sind ganz gewöhnlich. Andere lassen sich leichter öffnen oder liegen angenehmer in der Hand.

Einen davon konnte ich gut über den Finger schieben. Als ich noch regelmäßig laufen ging, hielt ich damit die Schlüssel in der Hand und wickelte das Band darum. Nichts schlug gegen das Bein, nichts sprang bei jedem Schritt in der Tasche auf und ab. Der Ring saß am Finger, die Schlüssel lagen in der Faust, das Band hielt alles zusammen.

Dort liegt auch ein Ring, an dem einmal der Schlüssel meines ersten Autos hing. Heute bewahre ich Autoschlüssel getrennt von den anderen auf. Ich versuche, in der Stadt weniger zu fahren. Der Schlüssel gehört nicht mehr automatisch zu den Dingen, die ich beim Verlassen der Wohnung einstecke.

Das Auto ist noch da.
Sein Platz am Schlüsselbund nicht.

Solche Veränderungen kündigt niemand an. Es gibt keinen Morgen, an dem man beschließt, den Aufbau seines Alltags symbolisch neu zu ordnen. Man nimmt einen Schlüssel ab, weil er in einer anderen Jacke bleiben soll. Man hängt einen Chip dazu, weil die Haustür ein neues System bekommen hat. Man legt den Autoschlüssel separat, weil man heute zu Fuß geht.

Die Schlüsselbänder

Keines meiner Schlüsselbänder habe ich selbst gekauft. Ich habe sie auf Veranstaltungen bekommen, in Paketen gefunden oder von Ständen mitgenommen. Trotzdem sind sie nicht beliebig.

In der Schublade liegt ein Schlüsselband von Canon EOS. Es gehörte zu einem Paket mit einem Teilnehmerausweis bei einer Präsentation der Canon EOS 5D Mark II. Ein zweites nahm ich vom Stand mit, weil mir seine Verarbeitung gefiel.

Die 5D war damals mein Lieblingsapparat. Kurze Zeit später kaufte ich sie selbst und benutzte sie mehrere Jahre. Ich habe sie noch immer.

Für Spaziergänge ist sie mir heute zu groß. Das Band war es nie. Es konnte mitkommen, ohne dass ich fotografieren wollte. Es passte in jede Tasche, überlebte mehrere Umzüge und blieb auch dann brauchbar, als der Apparat längst häufiger im Schrank lag als in meiner Hand.

Das Schlüsselband hat nie eine Tür geöffnet. Trotzdem weiß ich bei ihm sofort, woher es kommt. Bei manchen Schlüsseln war es umgekehrt: Sie waren einmal unverzichtbar, und heute bleibt von ihnen nur ein Ring.

Vor der Tür

Bevor ich losgehe, ziehe ich den schweren Schlüsselbund aus der Tür. Das Metall sammelt sich kurz in meiner Hand. Ich lege ihn auf die Kommode und nehme den kleineren.

Einer der freien Ringe gerät zwischen Daumen und Zeigefinger. Mein Fingernagel schiebt sich unter die erste Windung und hebt sie ein Stück an.

Dann lasse ich das Metall zurückschnappen.

Ich schließe nur einmal ab und gehe.

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