Dingsli

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Die Schönheit des einfachen Schalters

Über physische Schalter in einer Welt aus Touchscreens und Displays.

Wenn ich mein Büro verlasse, drücke ich auf einen der beiden Taster an der Wand. Manchmal auf den oberen, manchmal auf den unteren, manchmal auf beide. Jeder schaltet einen zwei Meter langen LED-Streifen. Einer reicht für etwas Licht, beide zusammen machen den Raum heller. Manchmal geht es auch nur um eine andere Stimmung.

Der Taster klickt unter meinem Finger. Direkt danach ist ein zweites, etwas tieferes Klicken aus der Wand zu hören. Das Relais im Inneren hat geschaltet. Dann gehe ich. Früher blieb ich an derselben Stelle manchmal einen Moment länger stehen.

Die Stellung, die nichts mehr bedeutete

Vor dem neuen Taster hatte ich dort einen klassischen Doppelschalter. Zwei Wippen, eine für jeden LED-Streifen. War das Licht aus, war die obere Seite eingedrückt. Zum Einschalten drückte ich unten. Das war kein Wissen, über das ich nachdenken musste. Meine Hand kannte diese Ordnung einfach.

Hinter dem Schalter saß zusätzlich ein SONOFF MINI-DUO. Damit konnte ich das Licht nicht nur an der Wand, sondern auch über HomeKit ausschalten. Das funktionierte technisch gut, nur die Stellung der Wippe bekam davon nichts mit. Wenn ich einen LED-Streifen über das Telefon ausschaltete, blieb der Schalter in der Position stehen, die für mich seit Jahren „eingeschaltet“ bedeutete. Ich trat später ins Büro, sah die Wippe und drückte automatisch oben, um das Licht auszuschalten.

Daraufhin ging es an.

Der Schalter log nicht. Er zeigte nur weiterhin seine eigene mechanische Stellung. Mein alter Reflex behandelte diese Stellung jedoch wie eine Information über das Licht. Und diese Information war nicht mehr zuverlässig.

Natürlich hätte ich mir einfach merken können, dass der Zustand nun auch digital verändert werden konnte. Ich hätte jedes Mal kurz auf die Lampen schauen können. Oder in HomeKit. Oder den Schalter einmal ausprobieren. Aber ein Lichtschalter ist genau dafür da, dass ich das nicht tun muss.

Ich achtete unnötig genau auf die Stellung solcher Schalter und bekam dadurch eine kleine zusätzliche Frage in den Kopf. Ist das Licht jetzt an oder aus? Wurde es zuletzt an der Wand geschaltet oder mit dem Telefon? Welche Seite muss ich drücken? Es war keine große Belastung, nur eine dieser winzigen Reibungen, die immer an derselben Stelle auftauchen.

Das Modul hinter dem Schalter

Als ich den SONOFF Fusion Orb-MW2, genauer den MINI-2GS-E, bei Amazon sah, dachte ich zunächst an die Unterputzdose. Ein normaler Doppelschalter und ein zusätzliches Smart-Home-Modul passen zwar gemeinsam hinein. Das Wort „passen“ kann dabei allerdings bedeuten, dass man Kabel faltet, den Einsatz mehrmals wieder herausnimmt und am Ende alles in die Wand drückt. Beim Orb-MW2 ist das Modul bereits Teil des Schalters. Kein separater MINI-DUO muss mehr hinter einen alten Lichtschalter gequetscht werden. Das Gerät ist klein und passte ohne größere Verhandlungen in meine Dose.

Das war praktisch. Der eigentliche Grund für den Kauf lag aber vorne: Der Orb-MW2 hat keine Wippen, die oben oder unten stehen bleiben. Genau genommen ist er deshalb weniger ein Schalter als ein Taster. Derselbe Druck schaltet ein und wieder aus. An der Oberfläche verändert sich dabei nichts.

Ein Taster ohne Zustand

Der Schalter besteht aus einer quadratischen Front, in deren Mitte ein runder Taster sitzt. Eine feine Linie teilt ihn bei mir in eine obere und eine untere Hälfte. Die obere Hälfte schaltet den einen LED-Streifen, die untere den anderen. Oben und unten bedeuten hier nicht mehr „an“ oder „aus“, sondern nur noch, welcher LED-Streifen gemeint ist.

Der alte Schalter hatte eine sichtbare Stellung. Solange nur er das Licht kontrollierte, war das hilfreich. Seine Position und der Zustand der Lampe gehörten zusammen. Durch HomeKit wurde diese Verbindung getrennt. Das Licht konnte seinen Zustand ändern, während der Schalter aussah wie vorher.

Der neue Taster versucht gar nicht erst, mir etwas anzuzeigen. Er kennt kein dauerhaftes „an“ und kein dauerhaftes „aus“. Er wartet nur auf den nächsten Druck. Ich muss nicht erkennen, in welchem Zustand sich der Taster befindet, bevor ich ihn benutze.

Es gibt nichts zu erkennen.

Ich muss auch nicht überlegen, welche Seite zuletzt gedrückt wurde oder ob HomeKit inzwischen etwas verändert hat. Ich drücke. Der LED-Streifen wechselt seinen Zustand. Dass der Schalter über Matter in HomeKit eingebunden ist, ist praktisch. Wichtiger ist mir, dass ich an der Wand nichts davon bemerken muss.

Auch beim Schalten über die App bleibt etwas Physisches übrig. Wenn HomeKit das Licht ausschaltet, höre ich das Relais im Schalter klicken. Beim Druck an der Wand sind es zwei Antworten. Erst der Klick unter dem Finger, dann das Relais dahinter.

Die Schönheit des Tasters liegt nicht darin, dass er besonders auffällig gestaltet wäre. Sie liegt darin, dass ich ihn nicht lesen muss.

Wenn ich heute das Büro verlasse, schaue ich nicht mehr auf die Stellung des Schalters. Ich drücke oben, unten oder beides. Es klickt. Das Licht geht aus.

Der Taster sieht danach genauso aus wie vorher.

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